Stadtführungen in Berlin an historischen Plätzen mit WalkBerlin

Die Mauer betoniert die Spaltung der Deutschen

Die Berliner Mauer

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“

Die Antwort Walter Ulbrichts, Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, auf einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 ist mittlerweile als eine der größten Propagandalügen in die Geschichte eingegangen. Zwei Monate später trennte tatsächlich eine Mauer Berlin in zwei Stadthälften und Millionen von Familien, Paaren und Freunden.

Diese eine Nacht. Unter strengster Geheimhaltung wurde die erste Mauer von Soldaten um West-Berlin mit Betonziegeln und Stacheldraht in der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 errichtet. Über 10000 Polizisten und Grenzsoldaten und 7000 Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR sperrten alle Straßen zwischen West- und Ost-Berlin und der DDR. Der „Schutzwall“ sollte die DDR „schützen“. In der Tat durfte der Berliner aus Friedrichshain nicht mehr nach Charlottenburg arbeiten, an der Freien Universität studieren oder seine Freunde in West-Berlin besuchen.

Auch der öffentliche U- und S-Bahn-Verkehr zwischen Ost- und West-Berlin wurde unterbrochen, viele Bahnhöfe geschlossen. Nur der Bahnhof Friedrichstraße blieb offen und wurde zum Grenzbahnhof. Da die Gefahr auch groß war, dass die geschlossenen Bahnhöfe als Fluchtmöglichkeiten benutzt wurden, wurden sie überwacht und zu „Geisterbahnhöfe“.

Eine Überraschung nur für die Berliner?

Doch was verbirgt sich hinter Ulbrichts Aussage? Wer wusste vom Mauerbau? Hat Ulbricht am 15. Juni gelogen? Fest steht, dass Ulbricht den Vorschlag, eine Stacheldrahtbarriere durch Berlin zu ziehen auf der Warschauer-Pakt-Tagung im März 1961 schon gemacht hatte. Dies wurde vom tschechoslowakischen Verteidigungsminister später bestätigt, der 1968 in den Westen ging. Die Abriegelung der Westsektoren durch Sperranlagen hatte zuletzt Chruschtschow Anfang August zugestimmt.

Mit der Berliner Mauer wollte die DDR-Regierung die Fluchtwelle von DDR-Bürgern über West-Berlin stoppen. Offiziell aber hatte der Generalsekretär der sowjetischen Kommunistischen Partei Chruschtschow zwei Jahre zuvor den Westmächten ein Ultimatum gestellt: Berlin sollte eine freie Stadt werden, d.h.: die Westmächte sollten ihre Truppen aus Berlin abziehen und die „Umwandlung Westberlins in eine selbständige politische Einheit“ zustimmen. Moskau drohte auch damit, der DDR die volle Souveränität in Bezug auf Berlin zu übertragen. Nach Protesten der Westmächte trafen sich Kennedy und Chruschtschow auf einem Gipfeltreffen in Wien im Juni 1961. Vergebens.

Erste Fluchtversuche, erste Opfer

„Was macht der Westen?“, fragte ein paar Tage nach dem Mauerbau eine westliche Zeitung. Die westliche Antwort schien zunächst überraschend zurückhaltend. Erst zwei Tage später protestieren die westlichen Stadtkommandanten mit einer Note. Für Kennedy sei die Mauer „besser als ein Krieg“ gewesen. Letzten Endes wurde die Bewegungsfreiheit der Westmächte durch den Mauerbau nicht beeinträchtigt. Die angespannte Lage zwischen den USA und der UdSSR hat sich zunächst etwas entspannt.

Doch die Berliner sahen es anders. Am 16. August 1961 versammelten sich 300.000 Berliner vor dem Schöneberger Rathaus zum Protest. Im östlichen Teil der Stadt entschlossen sich viele Bewohner der Grenzhäuser spontan zur Flucht. Sie seilten sich aus ihren Wohnungen ab oder sprangen in die Sprungtücher, die die West-Berliner Feuerwehr bereithielte. Auch keine einfache Entscheidung – doch die einzige Möglichkeit noch rechtzeitig rübergehen zu können. Wenige Wochen nach dem Mauerbau wurden die Häuser geräumt, die verbliebenen Bewohner zwangsumgesiedelt, Fenster und Türen zugemauert.

Video Interview Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 (Quelle: youtube.com).

Empfehlen und teilen

Leave a Comment