Stadtführungen in Berlin an historischen Plätzen mit WalkBerlin

Checkpoint Charlie

Mythos Checkpoint Charlie. Bekannt als Kulisse aus Filmen oder Romanen wie James Bonds „Octopussy“ von Ian Fleming oder „Der Spion, der aus der Kälte kam“ von John le Carré war der Checkpoint Charlie ein Schauplatz des Kalten Krieges. Nach dem Mauerbau war er einer der wenigen Übergänge zwischen Ost- und West-Berlin und ein Treffpunkt für Informanten. Heute ist er einer der meist besuchten aber stark veränderten historischen Orte Berlins.

Checkpoint Charlie Berlin

Deutsch-deutscher Grenzübergang

Nach dem Mauerbau im August 1961 war die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin erstmals dicht. Für die Berliner vor allem aber nicht für die Westmächte. Von den 81 Übergangsstellen im Straßenverkehr gab es nach dem 13. August 1961 nur noch 12, einige Tage später sogar nur noch 7 – nur für West-Berliner, West-Deutsche und Ausländer. Für den Besuch in Ost-Berlin brauchte man nun einen Passierschein. Auch wenn der Mauerbau kein großes Hindernis nach Ost-Berlin für die Westmächte darstellte, war er ein offenbarer Bruch des Vier-Mächte-Status. Als Protest dagegen beschlossen die Westmächte und der Berliner Senat die Passierscheinstellen zu schließen. Erst 2 Jahre später nach dem ersten Passierscheinabkommen im Herbst 1963 durften West-Berliner ihre Familie im Osten wieder besuchen.

Im Gegensatz zur normalen Bevölkerung verfügten die Westmächte laut Abkommen von 1945 über das Recht auf Freizügigkeit. Somit war für sie der Weg nach Ost-Berlin durch den Mauerbau nicht beeinträchtigt. Theoretisch Dass sie aber nur noch über den Sektorenübergang in der Friedrichstraße nach Ost-Berlin durften, war für sie zu wenig. Aus diesem Grund wurde der militärische Kontrollpunkt Checkpoint Charlie am 22. September 1961 gebaut. Angehörige der amerikanischen, und später auch der britischen und französischen Streitkräfte, ihr diplomatisches Personal und Touristen konnten sich hier vor ihrem Übergang nach Ost-Berlin informieren und registrieren.

Warum Charlie? Der Name „Charlie“ stammt aus dem militärischen Buchstabieralphabet. Charlie war der dritte Kontrollpunkt nach Alpha in Helmstedt zwischen der BRD und der DDR und Bravo in Dreilinden beim Übergang nach Berlin. Der Spitzname „Charlie“ bürgerte sich sehr schnell ein.

In der Nähe des Checkpoints befand sich das Café Adler Ecke Friedrichstraße / Zimmerstraße. Es war ein beliebter Treffpunkt der ausländischen Journalisten, Dissidenten der DDR, Informanten und Spione. Am Rande der Spannungen tauschte man hier Kontakte, Ideen und Informationen aus.

Schauplatz der Spannungen zwischen Ost und West

Konfrontation sowjetischer und amerikanischer Panzer am Checkpoint Charlie, 27. Oktober 1961 Quelle: de.wikipedia.org

Brennpunkt der Ost-West-Konfrontation. Panzer der amerikanischen und der sowjetischen Armee stehen sich gegenüber. Auch dafür ist Checkpoint Charlie in die Geschichte eingegangen. Im Oktober 1961 dachte die Welt, dass es am Checkpoint Charlie zum dritten Weltkrieg kommen würde.

Was war passiert? Am 25. Oktober wollte der amerikanische Diplomat Lightner in Zivil nach Ost-Berlin gehen. Eigentlich eine ganz normale Situation. Doch im geteilten und höchst angespannten Berlin drohte diese „ganz normale Situation“ zum Ausbruch eines neuen Konflikts zu führen. Lightner wurde von der DDR-Volkspolizei aufgefordert, sich auszuweisen, was er ablehnte: als Vertreter der Alliierte hatte er das Recht, die Sektorengrenze ohne Kontrolle zu passieren. Er kehrte später mit US-Militärpolizisten zurück und konnte nun ungehindert nach Ost-Berlin.

Gewaltstreich. Es war nicht vorbei. Am 26. Oktober fuhren M-48 Panzer und gepanzerte Mannschaftswagen in der Friedrichstraße am Checkpoint Charlie auf. Die Sowjetunion antwortete am darauffolgenden Tag mit 33 Panzern des Typs T-54. 16 Stunden lang standen sie sich gegenüber. Gespräche zwischen dem US-Justizminister Robert Kennedy und dem sowjetischen Presseattaché der sowjetischen Botschaft in Washington führten schließlich zur Beilegung des Konfliktes und die Panzer wurden auf beiden Seiten abgezogen.

Checkpoint Charlie heute – noch ein historischer Ort?

Was ist vom Schauplatz des Kalten Krieges heute noch übrig? Tja, nicht viel. Der letzte Checkpoint Charlie mit den 3 Schaltern wurde im Juni 1990 abmontiert und befindet sich heute auf dem Gelände des AlliiertenMuseums. Ein kleiner Nachbau des ersten Wachhauses der Alliierten erinnert heute an diesem Grenzübergang.

Und das Café Adler? Ist auch seit 2008 Geschichte. Heute befindet sich an der Stelle des legendären Cafés ein Café der Berliner Coffeeshop-Kette Einstein Kaffee, der zum Treffpunkt der Besucher der Stadt geworden ist. Gegenüber sind mittlerweile viele kleinen Imbiss-Stuben dazu gekommen: Burger, Pizza, Chinapfanne, Currywurst mit Pommes haben das Tomatenconsommé des Adlers verdrängt.

Eine touristische Attraktion. 25 Jahre nach dem Mauerfall steht am Checkpoint Charlie der Kalte Krieg zum Verkauf. Falsche Vopo-Mützen, Uhren mit Leninbild, russische Pilotenmützen, Hammer und Zirkel kann der Tourist an jeder Ecke erwerben. Gegen 1 oder 2 Euro kann man sich auch noch mit Schauspielern in Uniformen der sowjetischen und amerikanischen Armee fotografieren lassen…

Lust auf mehr zum Thema Kalter Krieg? Vor Ort informieren die Open-Air-Ausstellung und zwei kulturelle Einrichtungen: die Black Box und das Asisi Panorama. Beide thematisieren auf künstlerische und informative Art den Alltag mit der Mauer.

BU: Konfrontation sowjetischer und amerikanischer Panzer am Checkpoint Charlie, 27. Oktober 1961 Quelle: de.wikipedia.org

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